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Tierarztpraxen und Futtermittelindustrie – eine unbequeme Wahrheit

Autorenbild: gesHUNDesLeben Tiertherapie | Tierheilpraktiker | Ernährungsberatung
gesHUNDesLeben Tiertherapie | Tierheilpraktiker | Ernährungsberatung
vor 2 Minuten
4 Min. Lesezeit

Wenn der Tierarzt Futter empfiehlt: Geht es ausschliesslich um die Gesundheit Deines Hundes – oder spielen auch wirtschaftliche Interessen eine Rolle?


Tierarztfutter

Ein aktueller Podcast mit Jenke von Wilmsdorff sorgt für Diskussionen. Es geht um die Futtermittelindustrie, tierärztliche Empfehlungen und wirtschaftliche Interessen.


Und plötzlich wird heftig diskutiert.

Dabei ist das Thema alles andere als neu.


Seit Jahren wird die Zusammenarbeit zwischen Futtermittelherstellern und Tierarztpraxen kritisch hinterfragt.


Und diese wirtschaftlichen Verflechtungen sind keine Spekulation.

Die Hersteller dokumentieren sie teilweise sogar selbst.

Immer dieselben drei bekannten Namen – und ein lukratives Geschäft


Welche Futtermittelmarken begegnen uns besonders häufig im tierärztlichen Umfeld?


Hill’s, Royal Canin und Purina Pro Plan Veterinary Diets.


Alle drei Hersteller vermarkten spezielle Futtermittellinien für die tierärztliche Ernährung.



Und jetzt wird es interessant.


Hill’s: Die Tierarztpraxis verdient mit


Auf der offiziellen Schweizer Website von "Hill’s" steht: ««Mit jedem Kauf, den Du tätigst, erhält Deine Tierarztpraxis eine Vergütung von Hill's.»»


Das ist keine Vermutung. Das ist eine öffentliche Aussage des Herstellers.


Royal Canin: Prämien für vermittelte Futterkäufe


Auch "Royal Canin" beschreibt in seinen deutschen Nutzungsbedingungen für die Plattform Vet Services ein Vergütungsmodell. Darin ist ausdrücklich eine Prämie für erfolgreich vermittelte Fütterungsempfehlungen vorgesehen.

Das Unternehmen verpflichtet teilnehmende Praxen zugleich, ihre Empfehlungen unabhängig und im Interesse des Tieres auszusprechen.


Aber weshalb braucht eine unabhängige Futterempfehlung überhaupt ein finanzielles Anreizsystem?


Purina: Veterinärfutter als eigenes Geschäftsfeld


Auch "Purina – ein Unternehmen von Nestlé" – bietet mit Pro Plan Veterinary Diets ein umfangreiches Sortiment für den tierärztlichen Bereich an.


Der Hersteller erklärt selbst, dass diese Produkte Tierärzte bei der Ernährungsberatung und Behandlung unterstützen sollen.


Ein konkretes Vergütungsmodell für Tierarztpraxen lässt sich daraus allein nicht ableiten. Die enge kommerzielle Ausrichtung auf den tierärztlichen Markt ist jedoch offensichtlich.


Tierärzte sind keine unabhängigen Futtermittelhändler


Verstehen wir uns richtig:

Ich behaupte nicht, dass jeder Tierarzt korrupt ist.


Aber wenn eine Praxis mit dem Verkauf oder der Vermittlung eines bestimmten Futters Geld verdient, dann besteht ein wirtschaftliches Interesse.


Und darüber sollte offen gesprochen werden.


Denn Hundehalter und Katzenhalter vertrauen ihrem Tierarzt.


Sie gehen davon aus, dass eine Futterempfehlung ausschliesslich aufgrund der gesundheitlichen Bedürfnisse ihres Tieres erfolgt.


Wissen sie auch, wenn die Praxis an dieser Empfehlung mitverdient?


Nicht die Provision ist das Problem – sondern die Empfehlung dahinter!


Ich habe grundsätzlich nichts dagegen, wenn ein Tierarzt, Tierheilpraktiker oder Ernährungsberater an einer Futterempfehlung Geld verdient. Vorausgesetzt, das empfohlene Futter entspricht tatsächlich den ernährungsphysiologischen Bedürfnissen des jeweiligen Tieres. Ich selbst empfehle und vermittle Futtermittel und verdiene damit auch Geld. Der entscheidende Unterschied liegt für mich in der fachlichen Grundlage einer solchen Empfehlung.

Als Ernährungsberaterin setze ich mich intensiv mit der Zusammensetzung, den Inhaltsstoffen und den natürlichen Ernährungsbedürfnissen von Hunden und Katzen auseinander. Was ich kritisiere, sind Futterempfehlungen, die ohne ausreichende ernährungsphysiologische Kenntnisse ausgesprochen werden – möglicherweise allein deshalb, weil der Verkauf wirtschaftlich interessant ist.


Denn nicht die Provision entscheidet darüber, ob eine Empfehlung gut ist.


Sondern die Qualität des Futters, die Fachkompetenz des Beratenden und die Bedürfnisse des Tieres.


Meine Erfahrung aus über zehn Jahren Ernährungsberatung


Ich erlebe seit über zehn Jahren, dass Tierärzte Futtermittel verkaufen und empfehlen, deren Zusammensetzung ich aus ernährungsphysiologischer Sicht höchst kritisch beurteile. Und ich stelle dabei immer wieder fest, dass eine fundierte Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Inhaltsstoffen und den natürlichen Ernährungsbedürfnissen von Hund und Katze zu kurz kommt.

Ein Tierarzt ist medizinisch ausgebildet. Das bedeutet für mich aber nicht automatisch, dass er sich umfassend mit artgerechter Ernährung und der Qualität einzelner Futtermittel auseinandergesetzt hat.

Denn wer ein Futter empfiehlt, sollte auch erklären können, weshalb genau diese Zusammensetzung für einen Fleischfresser sinnvoll sein soll.


Nicht nur, weil ein Hersteller es als wissenschaftlich entwickelte Spezialnahrung bezeichnet.


Vor einigen Jahren habe ich sämtliche Tierarztpraxen in meiner Region kontaktiert und ihnen eine Zusammenarbeit angeboten. Mein Ziel war es, Tierärzte für die ernährungsphysiologischen Bedürfnisse von Hunden und Katzen zu sensibilisieren, ihnen entsprechende Weiterbildungen zu ermöglichen und hochwertige, artgerechte Ernährung in ihre Praxen zu integrieren. Nicht einfach Futter verkaufen, sondern wissen, was man verkauft und warum! Das Ergebnis? Keine einzige Tierarztpraxis zeigte ernsthaftes Interesse. Nicht eine!


Kritik aus den eigenen Reihen – Tierärzte sprechen Klartext!


Dass die Verflechtungen zwischen Tierarztpraxen und Futtermittelindustrie seit Jahren kritisch hinterfragt werden, zeigen auch die öffentlichen Aussagen von Tierärzten selbst.


Dr. Jutta Ziegler berichtet auf ihrer eigenen Website, dass sie früher zu den grössten Abnehmern industrieller Tierarztfuttermittel in Österreich gehörte. Im Jahr 2001 zog sie die Konsequenzen: Sie entfernte sämtliche dieser Futtermittel aus ihrer Praxis und begann, sich intensiv mit der natürlichen Ernährung von Hunden und Katzen auseinanderzusetzen. Bereits 2011 kritisierte sie öffentlich das Sponsoring von Seminaren, die Einflussnahme während des Veterinärstudiums und finanzielle Anreize beim Futterverkauf.


Auch der Hamburger Tierarzt Dr. Dirk Schrader äusserte sich über Jahre ausgesprochen kritisch zur industriellen Tierernährung. In seinen veröffentlichten Beiträgen hinterfragte er insbesondere die Zusammensetzung industriell hergestellter Futtermittel und den Einsatz zahlreicher Zusatzstoffe.


Das sind keine Erfindungen irgendwelcher selbsternannter Ernährungsexperten. Hier sprechen Tierärzte, die das System aus eigener Berufserfahrung kennen und öffentlich kritisieren. Und diese Kritik ist keineswegs neu. Sie wird seit Jahrzehnten geäussert – lange bevor Jenke von Wilmsdorff das Thema erneut ins öffentliche Bewusstsein rückte.


Quellen Tierärzte:

Dr. Jutta Ziegler – ihr persönlicher Erfahrungsbericht https://dr-ziegler.eu/ueber-mich/?utm_source=chatgpt.com



Dr. Dirk Schrader – «Wenn es stimmt …» (2023)⁠ https://kritische-tiermedizin.de/2023/Wenn_es_stimmt.pdf?utm_source=chatgpt.com


Dr. Dirk Schrader – «Hunde- und Katzenernährung» (2016)⁠ https://kritische-tiermedizin.de/2016/Zu_Risiken_und_Nebenw8.pdf?utm_source=chatgpt.com



Es geht um Transparenz – und um unsere Tiere


Ich finde es gut, dass Jenke dieses Thema öffentlich anspricht.


Denn offenbar braucht es manchmal deutliche Worte, damit Dinge hinterfragt werden, die längst zur Normalität geworden sind.


Wirtschaftliche Verflechtungen zwischen Futtermittelindustrie und Tierarztpraxen existieren. Die Frage ist nicht, ob es sie gibt. Sondern wie transparent damit umgegangen wird.


Und vor allem:

Werden Futtermittel empfohlen, weil ihre Zusammensetzung tatsächlich überzeugt – oder weil sie seit Jahren zum festen Sortiment der Tierarztpraxis gehören?


Mein Appell an Hunde- und Katzenhalter:


Verlasst Euch nicht blind auf einen bekannten Markennamen, eine weisse Verpackung mit medizinisch klingender Bezeichnung oder eine Empfehlung im Behandlungszimmer.


Lest die Deklaration. Hinterfragt die Inhaltsstoffe. Fragt nach.


Denn eine tierärztliche Empfehlung ersetzt nicht die kritische Auseinandersetzung mit dem, was täglich im Futternapf landet.


Nicht der Hersteller.

Nicht der Tierarzt.


Und genau deshalb verdient es Eure Aufmerksamkeit.



Jacqueline

Tiertherapeutin & Ernährungsberaterin

gesHUNDesleben – Tiertherapeutische Praxis


Erfahre mehr über meine Arbeit HIER



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