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Juckreiz beim Hund – welches Futter soll ich geben?

Autorenbild: gesHUNDesLeben Tiertherapie | Tierheilpraktiker | Ernährungsberatung
gesHUNDesLeben Tiertherapie | Tierheilpraktiker | Ernährungsberatung
17. Aug.
4 Min. Lesezeit

Ursachen verstehen statt nur Futter wechseln


juckreiz hund

Ein Hund kratzt sich ständig – und schon beginnt die Suche nach dem richtigen Futter.


Doch Juckreiz beim Hund kann unterschiedliche Ursachen haben. Warum immer neue Futterempfehlungen und gut gemeinte Internet-Tipps nicht unbedingt weiterhelfen – und weshalb es sich lohnt, genauer hinzuschauen.


Es beginnt oft ganz harmlos.

Der Hund kratzt sich ständig. Leckt an seinen Pfoten. Die Ohren machen immer wieder Probleme. Vielleicht kommen Durchfall, Blähungen, Erbrechen oder wechselnde Verdauungsbeschwerden dazu.


Also wird gefragt.

Im Bekanntenkreis. In einer Hundegruppe. Auf Facebook.

„Mein Hund juckt sich ständig. Welches Futter soll ich geben?“


Und damit ist sie eröffnet:

Die internationale Ernährungskonferenz für Kleintiere. 😂


„Unbedingt hypoallergen!“

„Nur Pferd!“

„Getreide ist schuld!“

„Nein, Huhn ist schuld!“

„BARF!“

„Bloß nicht BARF!“

„Probiotika!“

„Kokosöl!“

„Bei meinem hat Futter XY geholfen!“

Und selbstverständlich darf auch die Schwiegermutter nicht fehlen, deren Dackel 1987 ungefähr dasselbe hatte und trotzdem 16 Jahre alt geworden ist.


Nach 84 Kommentaren besitzt der Hund drei offene Futtersäcke, acht vermutete Unverträglichkeiten und einen komplett neuen Speiseplan.


Nur eine Frage ist immer noch nicht beantwortet:

Warum juckt sich dieser Hund überhaupt?


Juckreiz beim Hund ist ein Symptom – keine Diagnose

Das ist der entscheidende Punkt.

Juckreiz ist zunächst einmal ein Symptom.

Und ein ähnliches Symptom bedeutet nicht automatisch eine identische Ursache.

Zwei Hunde können sich beide ständig kratzen – und trotzdem können völlig unterschiedliche Zusammenhänge dahinterstehen.


Deshalb ist die Aussage:

„Bei meinem Hund hat dieses Futter geholfen“

nicht wertlos. Sie kann vollkommen richtig sein.

Sie beantwortet nur nicht die Frage, ob dasselbe Futter Deinem Hund helfen wird.

Was Lumpi geholfen hat, muss Hasi noch lange nicht helfen.


Warum immer neues Futter das Problem nicht unbedingt löst

Genau hier beginnt häufig eine regelrechte Futter-Odyssee.

Das erste Futter wird abgesetzt. Eine neue Proteinquelle ausprobiert. Dann kommt ein hypoallergenes Futter. Anschließend vielleicht BARF. Danach ein Darmpräparat. Ein Pulver. Ein Öl. Noch ein Ergänzungsmittel.

Vielleicht wird es tatsächlich besser.

Vielleicht sogar deutlich.


Doch auch dann lohnt sich eine weitere Frage:

Warum wurde es besser?

Was hat sich durch die Umstellung tatsächlich verändert?

Welche Bestandteile sind weggefallen? Was ist neu hinzugekommen? Welche Rolle spielt die Verdauung? Wie geht es dem Darm? Welche anderen Faktoren haben sich gleichzeitig verändert?


Denn eine Verbesserung des Symptoms ist noch nicht automatisch eine Erklärung seiner Ursache.

Und wenn nach jeder erneuten Verschlechterung lediglich das nächste Produkt ausprobiert wird, kann irgendwann kaum noch nachvollzogen werden, worauf der Organismus eigentlich reagiert.


Ursachen verstehen statt Symptome behandeln

Genau deshalb beginnt meine Arbeit nicht mit der Frage:

„Was können wir gegen den Juckreiz geben?“

Mich interessiert zunächst: Warum zeigt dieser Hund Juckreiz?

Wie sieht seine bisherige Geschichte aus?

Was bekommt er zu fressen – und was bekam er früher?

Seit wann bestehen die Beschwerden?

Gab es einen erkennbaren Beginn oder Veränderungen davor?

Wie arbeitet seine Verdauung?

Wie sieht der Kot aus?

Gibt es weitere Auffälligkeiten, die auf den ersten Blick vielleicht gar nichts mit dem Juckreiz zu tun haben?

Welche Medikamente, Futterumstellungen oder anderen Maßnahmen gab es bereits?

Was hat etwas verändert – positiv oder negativ?


Erst wenn wir anfangen, solche Informationen miteinander zu verbinden, entsteht aus einzelnen Symptomen langsam ein Gesamtbild.

Und manchmal liegt genau dort etwas, das bei der isolierten Betrachtung eines einzelnen Symptoms übersehen wurde.


Wenn tierärztlich bereits alles abgeklärt wurde – und der Hund sich trotzdem weiter kratzt

Viele Tiere, die in meine tiertherapeutische Praxis kommen, haben bereits eine ausführliche tiermedizinische Vorgeschichte.

Sie wurden untersucht und diagnostisch abgeklärt. Teilweise wurden unterschiedliche Behandlungen durchgeführt und verschiedene Futtermittel ausprobiert.

Und trotzdem sind die Beschwerden noch da – oder sie kommen immer wieder.

Genau an diesem Punkt kann ein anderer Blickwinkel sinnvoll werden.

Dabei geht es nicht darum, tierärztliche Diagnostik zu ersetzen.

Gerade akute, schwere oder plötzlich auftretende Beschwerden gehören selbstverständlich tierärztlich abgeklärt.


Meine Arbeit setzt häufig dort an, wo diese Abklärung bereits stattgefunden hat und die Frage trotzdem offenbleibt:

Warum findet der Organismus nicht dauerhaft zurück in eine gesunde Regulation?


Dann schaue ich unter anderem auf Ernährung, Darmgesundheit, bisherige Belastungen und Maßnahmen sowie auf mögliche Zusammenhänge zwischen verschiedenen Beschwerden.

Nicht jedes Symptom isoliert.

Sondern das Tier als Ganzes.


Durchfall, Juckreiz und andere Symptome haben eine Geschichte

Das gilt übrigens nicht nur für Juckreiz beim Hund.

Auch bei wiederkehrendem Durchfall, Erbrechen, Verdauungsproblemen, Haut- und Fellveränderungen oder anderen chronischen Beschwerden erlebe ich immer wieder dieselbe Suche:

Was kann ich dagegen geben?


Manchmal sollte die erste Frage eine andere sein:

Warum passiert es überhaupt?

Denn ein Symptom ist Kommunikation des Organismus.

Es sagt zunächst einmal: Hier stimmt etwas nicht.


Die Aufgabe besteht dann nicht ausschließlich darin, diese Botschaft möglichst schnell zum Schweigen zu bringen.

Es lohnt sich, ihr zuzuhören.


Fachliche Begleitung statt Futter-Lotterie

Natürlich spricht überhaupt nichts dagegen, sich mit anderen Tierhaltern auszutauschen.

Erfahrungen können wertvolle Hinweise liefern.

Schwierig wird es erst, wenn aus einer persönlichen Erfahrung eine allgemeingültige Lösung gemacht wird:

„Meinem hat es geholfen – also braucht Deiner dasselbe.“

Vielleicht. Vielleicht aber auch überhaupt nicht.


Und gerade wenn Beschwerden schon länger bestehen oder immer wiederkehren, kann es sinnvoller sein, nicht noch ein weiteres Mittel auf Verdacht auszuprobieren, sondern die Geschichte des einzelnen Tieres strukturiert anzuschauen.


Denn manchmal braucht Dein Hund nicht den 85. Tipp aus einer Facebook-Gruppe.

Vielleicht braucht er jemanden, der die richtigen Fragen stellt.


Ursachen verstehen – nicht Symptome behandeln.


In meiner tiertherapeutischen Praxis begleite ich Hunde ganzheitlich mit Schwerpunkt auf Ernährung, Darmgesundheit und natürlicher Regulation.

Mein Ziel ist nicht, möglichst schnell das nächste Produkt zu finden.

Mein Ziel ist, Zusammenhänge zu erkennen und zu verstehen, weshalb der Organismus aus seiner Balance geraten ist.




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