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Futterumstellung beim Hund: Warum weniger manchmal mehr ist

  • Autorenbild: gesHUNDesLeben Tiertherapie | Tierheilpraktiker | Ernährungsberatung
    gesHUNDesLeben Tiertherapie | Tierheilpraktiker | Ernährungsberatung
  • 11. Aug.
  • 6 Min. Lesezeit

Eine Futterumstellung beim Hund ist nicht einfach ein Wechsel von einem Futtersack zum nächsten. Besonders dann nicht, wenn der Organismus bereits belastet ist.


Futterumstellung Hund


Manchmal würde ich als Tiertherapeutin gerne schneller vorangehen.


Den Darm umfassender unterstützen. Die Ernährung konsequenter verändern. Weitere Regulationsprozesse anstossen.


Und manchmal entscheide ich ganz bewusst:

Nein. Jetzt nicht.


Denn ganzheitlich zu arbeiten bedeutet für mich nicht, möglichst viel zu tun.


Es bedeutet, herauszufinden, was dieser eine Hund in diesem Moment braucht – und was er gerade auch verkraften kann.


Ein aktueller Fall aus meiner Praxis zeigt sehr schön, weshalb bei einer Futterumstellung manchmal weniger tatsächlich mehr ist.


Wenn ein Hund angeblich lebenslang hypoallergenes Futter braucht - Futterumstellung unmöglich?


Die Ausgangslage war alles andere als unkompliziert.


Der Hund hatte eine lange gesundheitliche Vorgeschichte und reagierte ausgesprochen empfindlich auf Veränderungen seiner Ernährung.

Bereits wenige Leckerchen ausserhalb seiner gewohnten Fütterung hatten in der Vergangenheit massive Verdauungsbeschwerden bis hin zu blutigem Durchfall ausgelöst.


Die Konsequenz war nachvollziehbar:


Seine Besitzerin hatte Angst.

Angst davor, etwas Neues auszuprobieren. Angst vor der nächsten Reaktion. Angst davor, mit einer gut gemeinten Veränderung alles noch schlimmer zu machen.


Und im Raum stand die bisherige Empfehlung:


Doch genau hier beginnt für mich die Ursachenfrage.


Denn wenn ein Hund natürliche Nahrung nicht mehr verträgt, interessiert mich nicht nur, welches Futter keine Symptome verursacht.


Mich interessiert:

Warum ist sein Organismus überhaupt an diesem Punkt angekommen?


Mehr darüber erkläre ich auf meiner Seite Hypoallergenes Futter für Hunde – wenn Symptombekämpfung zur Ernährung wird“.


Eine Futterumstellung beim Hund beginnt nicht im Futternapf

Natürlich schaue ich mir das bisherige Futter an.

Aber damit ist meine Arbeit nicht beendet.

Verdauung funktioniert nicht isoliert.

Darm, Schleimhäute, Mikrobiom, Verdauungsleistung, Bauchspeicheldrüse, Leber, Stoffwechsel und Immunsystem beeinflussen sich gegenseitig.

Dazu kommen Medikamente, bisherige Erkrankungen, therapeutische Massnahmen, Ergänzungsmittel und die gesamte Vorgeschichte des Hundes.


Und dann gibt es noch einen Faktor, der auf keiner Futterdeklaration steht: den Menschen.


Wie sicher fühlt sich die Besitzerin mit der Veränderung?

Wie viel Veränderung kann sie mittragen?

Welche Erfahrungen hat sie bereits gemacht?

Wie viel Angst sitzt inzwischen rund um den Futternapf?


Denn ich kann therapeutisch den schönsten Plan der Welt schreiben.


Wenn die Besitzerin jeden neuen Löffel mit der inneren Erwartung füttert:

„Bitte, bitte, hoffentlich bekommt er jetzt keinen Durchfall“,

haben wir noch eine ganz andere Baustelle.


Auch die Angst der Besitzerin bezüglich einer Futterumstellung bei ihrem Hund gehört für mich zum Fall

Das wird in einer klassischen Ernährungsberatung gerne übersehen.

Der Hund hatte nicht einfach eine Futterproblematik.


Seine Besitzerin hatte über längere Zeit erlebt, dass Veränderungen tatsächlich schlimme Folgen haben konnten.


Ihre Sorge war also nicht einfach irrational.

Deshalb hätte es wenig gebracht, ihr zu sagen: „Sie müssen einfach Vertrauen haben.“

Vertrauen entsteht nicht auf Kommando.

Es entsteht durch Erfahrung.


Also haben wir die Futterumstellung so gestaltet, dass beide damit zurechtkommen konnten. Der Hund. Und sein Mensch.

Langsam. Überschaubar. Schritt für Schritt.


Futterumstellung beim Hund bedeutet manchmal: löffelweise

Bei einem gesunden Hund muss eine Futterumstellung nicht zwingend über Wochen gezogen werden.

Aber dieser Hund ist kein theoretischer Durchschnittshund.

Und deshalb bekommt er auch keinen theoretischen Durchschnittsplan.

Wir haben sehr vorsichtig begonnen.


Nicht mit:

Altes Futter weg. Neues Futter hin. Viel Glück.


Sondern mit kleinen Mengen der neuen natürlichen Nahrung innerhalb eines klaren Umstellungsplans.

So klein, dass die Besitzerin sich damit sicher fühlte.

Und so strukturiert, dass wir beobachten konnten, wie der Organismus darauf reagiert.


Das Interessante:

Er reagierte bislang ausgesprochen erfreulich.

Gerade bei einem Hund, bei dem bereits wenige fremde Leckerchen massive Beschwerden ausgelöst hatten, ist das eine wichtige Beobachtung.

Noch kein Endergebnis.

Noch keine Heilungsgeschichte.

Aber ein erster Hinweis darauf, dass der Satz

„Dieser Hund verträgt nichts anderes“

vielleicht nicht für alle Zeiten in Stein gemeisselt werden muss.


Ganzheitlich bedeutet nicht: alles gleichzeitig

Und hier wurde der Fall für mich therapeutisch besonders interessant.

Denn aufgrund seiner Vorgeschichte hätte ich verschiedene Möglichkeiten gehabt, zusätzlich einzugreifen.

Ich hätte mehr unterstützen können.

Mehr regulieren.

Weitere therapeutische Bausteine einsetzen.

Auf dem Papier hätte sich für vieles eine Begründung finden lassen.


Ich habe mich dagegen entschieden.

Vorerst.


Denn dieser Organismus trägt bereits einiges.

Und manchmal besteht gute therapeutische Arbeit eben gerade darin, nicht noch ein weiteres Mittel obendrauf zu setzen.

Das fällt unter Umständen sogar schwerer als etwas zu verordnen.


Denn wir haben gelernt:

Ein Problem braucht eine Massnahme.

Noch ein Problem braucht noch eine Massnahme.

Und irgendwann steht vor einem Hund eine ganze Batterie aus Dosen, Tropfen, Pulvern, Medikamenten und Spezialfutter.


Dabei lautet die wichtigere Frage manchmal:

Was können wir jetzt weglassen?


Weniger ist manchmal mehr

Ich arbeite gerne ursachenorientiert.


Aber Ursachenorientierung bedeutet für mich nicht:

Alles, was möglicherweise eine Ursache beeinflussen könnte, gleichzeitig behandeln.


Auch Regulation braucht Kapazität.

Der Körper muss verarbeiten können, was wir von ihm verlangen.


Deshalb setze ich Prioritäten.


In diesem Fall bedeutet das zunächst:

Ernährung verändern. Verdauung unterstützen. Stabilität schaffen. Beobachten.


Und dann schauen wir weiter.

Nicht weil mir therapeutische Möglichkeiten fehlen.

Sondern weil ich sie bewusst nicht alle gleichzeitig einsetze.

Das ist ein Unterschied.


Der Hund bestimmt das Tempo – nicht mein Konzept

Natürlich habe ich Vorstellungen davon, wie ich einen Organismus gerne unterstützen möchte.

Ich habe Konzepte.

Ich habe Erfahrung.

Ich habe therapeutische Möglichkeiten.


Aber ich behandle kein Konzept.

Vor mir steht ein Hund.

Und dieser Hund bringt seine eigene Geschichte mit.


Deshalb darf ich auch meinen ursprünglichen Plan verändern.

Vielleicht kommt ein therapeutischer Baustein später dazu.

Vielleicht zeigt der Organismus, dass wir ihn gar nicht brauchen.

Vielleicht müssen wir langsamer werden.

Vielleicht können wir irgendwann schneller gehen.

Das entscheidet sich nicht am Schreibtisch.

Der Verlauf entscheidet mit.

Für mich ist genau das ganzheitliche Therapie.


Wenn auch der Futternapf emotional geworden ist

Neben der eigentlichen Futterumstellung zeigte sich noch eine zweite Ebene.

Das Fressen selbst war zum Thema geworden.

Wird er fressen?

Frisst er genug?

Verträgt er es?

Soll ich ihn motivieren?

Noch etwas anbieten?

Noch einmal zureden?


Aus einem biologisch völlig normalen Vorgang kann so unbemerkt ein tägliches emotionales Ritual entstehen.

Und Hunde sind ausgesprochen gute Beobachter.

Sie merken sehr schnell, wenn rund um eine Ressource plötzlich Aufmerksamkeit, Sorge und Erwartung entstehen.


Deshalb gehörte in diesem Fall auch das zur Begleitung:

wieder Ruhe und Natürlichkeit in die Fütterung bringen.


Futter anbieten.

Dem Hund zutrauen, damit umzugehen.

Nicht jeden Bissen emotional begleiten.

Nicht aus jeder Mahlzeit eine Verhandlung machen.

Auch das gehört für mich zu einer ganzheitlichen Ernährungsberatung.

Denn am Futternapf sitzt nicht nur ein Verdauungssystem.

Dort begegnen sich immer auch Hund und Mensch.


Professionelle Futterumstellung bedeutet für mich Individualität

Ich verkaufe meinen Kundinnen und Kunden deshalb keine Vorstellung davon, dass es die eine richtige Futterumstellung beim Hund gibt.

Ein junger gesunder Hund braucht etwas anderes als ein chronisch belasteter Hund.

Ein Hund nach jahrelanger industrieller Fütterung kann etwas anderes brauchen als ein Hund, der natürliche Nahrung bereits kennt.

Ein Hund mit Stoffwechselbelastungen braucht möglicherweise ein anderes Tempo.

Und ein Mensch, der nach wiederholten schweren Reaktionen seines Hundes grosse Angst vor Veränderungen entwickelt hat, braucht ebenfalls eine andere Begleitung.


Der Plan muss zum Hund und zu seinem Menschen passen – nicht Hund und Mensch zu meinem Plan.


Das erste Ziel ist nicht Perfektion, sondern Stabilität

Natürlich wünsche ich mir langfristig einen Organismus, der wieder möglichst selbstverständlich mit hochwertiger natürlicher Ernährung umgehen kann.

Aber ich muss nicht heute dort ankommen.


Vielleicht ist heute der Erfolg:

Der Hund verträgt den ersten Löffel.

Dann den nächsten.

Die Verdauung bleibt stabil.

Die Besitzerin beginnt wieder Vertrauen zu entwickeln.

Der Futternapf verliert seinen Schrecken.

Und der Organismus bekommt Zeit, sich anzupassen.

Aus vielen kleinen Schritten kann etwas entstehen, das vorher unmöglich erschien.


Vom hypoallergenen Futter zurück zu natürlicher Ernährung?

Ob und wie weit dieser Weg bei jedem einzelnen Hund möglich ist, lässt sich nicht pauschal versprechen.

Das wäre unseriös.


Aber genauso wenig gefällt mir die pauschale Vorstellung:

„Er verträgt nichts anderes. Das bleibt jetzt lebenslang so.“


Vielleicht.

Vielleicht aber auch nicht.

Ich möchte lieber herausfinden, was der Organismus noch kann, wenn wir ihm die passenden Bedingungen dafür schaffen.

Und manchmal beginnt dieser Weg nicht mit einer grossen Therapie.

Sondern mit einem einzigen Löffel.


Ganzheitliche Ernährungsberatung bedeutet für mich mehr als einen Futterplan

Wenn Dein Hund auf immer mehr Futtermittel reagiert, seit längerer Zeit hypoallergen ernährt wird oder Du nach schlechten Erfahrungen Angst vor einer Futterumstellung hast, musst Du diesen Weg nicht allein ausprobieren.


Ich schaue nicht nur auf das Futter.

Ich schaue auf Deinen Hund, seine Vorgeschichte, seinen Darm, seinen Stoffwechsel, bestehende Belastungen – und darauf, was für euch beide im Moment überhaupt machbar ist.


Denn manchmal braucht ein Organismus Unterstützung.

Manchmal braucht er Zeit.

Und manchmal braucht er vor allem eines:

nicht noch mehr.




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