Der Magen des Hundes – Funktion, Magensäure & Ernährung
STOFFWECHSEL HUND

Einleitung
Der Magen ist der erste aktive Abschnitt der Verdauung und spielt eine zentrale Rolle für die gesamte Stoffwechselgesundheit des Hundes.
Was hier nicht richtig funktioniert, kann im weiteren Verlauf der Verdauung kaum noch ausgeglichen werden.
Viele Probleme, die später dem Darm, der Bauchspeicheldrüse oder der Leber zugeschrieben werden, haben ihren Ursprung bereits im Magen. Umso wichtiger ist es, seine Funktion und seine Bedürfnisse zu verstehen.
Die Aufgabe des Magens
Der Hundemagen hat mehrere wichtige Funktionen:
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mechanische Zerkleinerung der Nahrung
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Abtötung von Keimen durch Magensäure
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Aufschluss von Eiweißen
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Vorbereitung der Nahrung für Dünn- und Dickdarm
Damit das funktioniert, braucht der Magen ein saures Milieu. Der pH-Wert des Hundemagens liegt physiologisch deutlich niedriger als beim Menschen.
Magensäure – das richtige Gleichgewicht
Für eine gesunde Verdauung ist nicht möglichst viel, sondern die richtige Menge Magensäure entscheidend.
Zu viel Magensäure
Kann entstehen durch:
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Stress
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sehr häufige Fütterung
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ungeeignete Futterzusammensetzung
Mögliche Anzeichen:
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Sodbrennen
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Schmatzen
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Erbrechen (oft nüchtern)
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Unruhe, besonders nachts
Zu wenig Magensäure / zu hoher pH-Wert
Dieser Zustand wird häufig übersehen.
Mögliche Ursachen:
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stark verarbeitete Nahrung
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dauerhaft ungeeignete Fütterung
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minderwertige Proteine
Folgen:
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Eiweiße werden nicht ausreichend aufgeschlossen
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Keime werden nicht zuverlässig abgetötet
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Nahrung gelangt unzureichend vorbereitet in den Darm
Die Probleme zeigen sich dann oft nicht im Magen, sondern im Darm.
Trockenfutter und seine Wirkung im Magen
Ein besonders kritischer Punkt für den Magen des Hundes ist die Fütterung von Trockenfutter.
Trockenfutterpellets sind stark wasserarm und müssen im Magen zuerst aufquellen, bevor sie überhaupt weiterverarbeitet werden können. Dafür benötigt der Körper große Mengen Magensäure und Flüssigkeit.
Ein einfacher Selbstversuch:
Weiche Trockenfutter einmal in Wasser ein und beobachte, wie stark es aufquillt und wie lange dieser Prozess dauert. Genau das passiert – nur unter ganz anderen Bedingungen – im Magen des Hundes.
Was im Magen passiert
Damit Trockenfutter überhaupt verdaulich wird:
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muss es zunächst aufweichen
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wird dafür ein erheblicher Teil der Magensäure „verbraucht“
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verändert sich das natürliche saure Milieu des Magens
Die Magensäure steht dann nicht mehr in ausreichender Menge zur Verfügung für:
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den Aufschluss von Eiweißen
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die Abtötung von Keimen
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die optimale Vorbereitung der Nahrung für den Darm
Langfristige Folgen für den Magen
Durch diese dauerhafte Belastung kann es zu:
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einer gestörten Magensäureproduktion
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einem dauerhaft erhöhten pH-Wert
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einer Überforderung der Magenschleimhaut
kommen.
Die Folge ist häufig:
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unvollständig verdaute Nahrung
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vermehrte Gärungsprozesse
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Belastung des gesamten Verdauungssystems
Viele Beschwerden, die später Darm, Bauchspeicheldrüse oder Leber betreffen, haben hier ihren Ursprung.
Warum Trockenfutter aus meiner Sicht problematisch ist
Trockenfutter entspricht nicht der natürlichen Nahrungsform des Hundes. Der Hund ist ein Carnivor mit einem Verdauungssystem, das auf feuchte, strukturierte Nahrung ausgelegt ist. Die dauerhafte Fütterung von stark verarbeitetem, trockenem Futter zwingt den Magen zu einer Anpassungsleistung, für die er biologisch nicht gemacht ist.
Aus genau diesem Grund bin ich ein klarer Gegner von Trockenfutter – nicht aus Ideologie, sondern aufgrund der Auswirkungen auf den Stoffwechsel und die Verdauungsorgane.
Wichtiger Hinweis
Nicht jeder Hund zeigt sofort Symptome.
Doch viele chronische Probleme entwickeln sich schleichend – über Monate oder Jahre – und werden dann oft anderen Organen zugeschrieben, obwohl die Ursache bereits im Magen liegt.
Magendrehung – ein oft missverstandenes Risiko
Die Magendrehung (Torsio ventriculi) wird häufig pauschal mit Bewegung nach dem Fressen erklärt.
Diese Erklärung greift jedoch zu kurz.
In der Praxis zeigt sich, dass nicht allein Bewegung, sondern vor allem die Art der Fütterung und der Zustand des Mageninhalts eine entscheidende Rolle spielen können.
Trockenfutter als möglicher Risikofaktor
Trockenfutter ist stark wasserarm und quillt im Magen deutlich auf.
Dabei entsteht:
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Volumen
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Gas
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Spannung im Magen
Ein stark gefüllter, gasiger und unter Spannung stehender Magen verliert an Stabilität.
Besonders bei größeren oder tiefbrüstigen Hunden kann dies das Risiko erhöhen, dass sich der Magen um die eigene Achse dreht.
Nicht „Futter im Magen“ an sich ist das Problem, sondern aufquellendes, trockenes, industriell verarbeitetes Futter, das unter Magensäure- und Flüssigkeitseinfluss sein Volumen massiv verändert.
Bewegung – nicht die eigentliche Ursache
Bewegung nach dem Fressen kann ein auslösender Faktor sein, ist jedoch nicht die eigentliche Ursache, sondern eher der letzte Impuls bei einem bereits belasteten Magen.
Ein physiologisch gefüllter Magen mit feuchter, strukturierter Nahrung verhält sich mechanisch völlig anders als ein Magen, der mit aufquellenden Pellets gefüllt ist.
Warum dieser Zusammenhang oft unterschätzt wird
Der Fokus liegt in der Aufklärung häufig auf Verhaltensregeln („Hund soll sich nach dem Fressen nicht bewegen“),
während die Zusammensetzung und Beschaffenheit des Futters kaum kritisch hinterfragt wird.
Dabei beginnt das Risiko nicht mit dem Spaziergang – sondern mit dem, was täglich im Napf landet.
Meine Haltung dazu
Aus meiner Sicht ist die Trockenfütterung ein unnatürlicher Stressfaktor für den Magen, der nicht nur Verdauungsprobleme begünstigt, sondern auch mechanische Risiken erhöhen kann. Deshalb setze ich auf individuell abgestimmte, feuchte und artgerechte Ernährungsformen – nicht auf pauschale Fütterungsempfehlungen.
Zusammenhang zwischen Magen und Darm
Ist die Vorverdauung im Magen gestört, wird der Darm überfordert.
Mögliche Folgen:
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Fehlgärungen
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Blähungen
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weicher Kot
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Durchfall oder Verstopfung
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Reizung der Darmschleimhaut
Der Darm versucht zu kompensieren, was der Magen nicht leisten konnte – oft über lange Zeit.
Einfluss der Ernährung auf den Magen
Der Magen reagiert sehr sensibel auf die Qualität und Zusammensetzung der Nahrung.
Belastend können sein:
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stark verarbeitete Futtermittel
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minderwertige Proteinquellen
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unnötige Zusatzstoffe
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häufige Futterwechsel
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ungeeignete Fütterungszeiten
Unterstützend wirken:
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gut verdauliche, hochwertige Zutaten
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klare, einfache Zusammensetzungen
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Fütterung, die zum individuellen Hund passt
Nicht jede Ernährungsform ist für jeden Hund gleich gut geeignet.
Typische Symptome bei einem überforderten Magen
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wiederkehrendes Erbrechen
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Appetitlosigkeit oder ständiger Hunger
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Grasfressen
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Unruhe nach dem Fressen
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wechselnde Verdauung
Diese Symptome sind keine Diagnose, sondern Hinweise darauf, dass der Magen Unterstützung braucht.
Verbindung zum weiteren Stoffwechsel
Der Magen ist der Anfang der Verdauungskette.
Ist er dauerhaft aus dem Gleichgewicht, leiden zwangsläufig auch:
Deshalb ist es oft wenig sinnvoll, nur Symptome weiter unten zu behandeln, ohne den Magen mit einzubeziehen.
Abschließender Gedanke
Eine magenfreundliche Ernährung bedeutet nicht, einem festen System zu folgen, sondern die Bedürfnisse des einzelnen Hundes zu berücksichtigen.
Der Magen zeigt früh, wenn etwas nicht passt – man muss nur lernen, seine Signale zu verstehen.
Wenn du tiefer verstehen möchtest, wie der Magen mit Darm, Leber und Bauchspeicheldrüse zusammenarbeitet, findest du hier die Übersicht zum Stoffwechsel des Hundes.

VIELE HÄUFIGE FRAGEN ZUR HUNDEERNÄHRUNG
HABE ICH HIER ZUSAMMENGEFASST
Grasfressen beim Hund – nicht nur ein „Reinigungsinstinkt“, sondern ein Signal
Viele Hunde beginnen Gras zu fressen und erbrechen kurz darauf weißen Schaum.
Dieses Verhalten wird oft als „natürliches Reinigen“ interpretiert – aus ganzheitlicher Sicht ist es jedoch meist ein Ausgleichsversuch des Körpers. Es kommt auch auf die Menge an Gras an, im Frühjahr bedienen sich viele Hunde an den neuen Grassprösslingen aufgrund der enthaltenen Vitamine.
Warum Hunde Gras fressen
Gras wirkt:
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mechanisch reizend auf die Magenschleimhaut
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leicht schleimhautschützend
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brechreizfördernd
Der Hund nutzt Gras, um:
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Druck im Magen abzubauen
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überschüssige oder falsch regulierte Magensäure loszuwerden
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ein inneres Ungleichgewicht zu kompensieren
Das Gras ist nicht die Ursache, sondern ein Hilfsmittel, das der Körper wählt.
Weißer Schaum – Hinweis auf den Magen
Erbricht der Hund nach dem Grasfressen weißen Schaum, deutet dies meist auf:
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überschüssige Magensäure
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gereizte Magenschleimhaut
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einen zu hohen oder falsch regulierten Säurehaushalt
hin.
Das Erbrechen besteht dann oft aus:
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Schleim
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Schaum
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wenig bis keinem Futter
Abgrenzung zu Galle-Erbrechen
Zur Klarheit ist die Unterscheidung wichtig:
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Weißer Schaum
→ Magen
→ Magensäure, Schleimhautreizung, leerer Magen
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Gelber Schaum
→ Galle
→ Rückfluss von Gallenflüssigkeit aus dem Dünndarm
Beide Erscheinungen sehen ähnlich aus, haben aber unterschiedliche Ursachen.
Zusammenhang mit Fütterung
Grasfressen mit weißem Schaum tritt häufig auf bei:
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stark verarbeiteter Nahrung
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Trockenfutter
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bei gewissen Hunden zu unregelmäßigen oder auch zu häufigen Fütterungszeiten
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dauerhafter Reizung des Magens
Der Magen versucht, ein Milieu zu regulieren, das durch unnatürliche Ernährung aus dem Gleichgewicht geraten ist.
Ganzheitliche Einordnung
Grasfressen ist kein Problem an sich –
aber ein Hinweis, dass der Magen Unterstützung braucht.
In der ganzheitlichen Betrachtung wird deshalb nicht das Grasfressen „abgewöhnt“, sondern gefragt:
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Warum ist der Magen gereizt?
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Warum stimmt die Magensäure-Regulation nicht?
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Welche Rolle spielt die Ernährung?
