Das Problem ist nicht Weihnachten, das Problem sind wir.
- Die Menschen-Trainerin für Hunde

- 26. Dez. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Weihnachten gilt als Fest der Nähe, der Liebe, der Verbundenheit.
Für mich ist es inzwischen eher ein Spiegel. Einer, der sichtbar macht, wie schwer es uns als Gesellschaft fällt, ehrlich zu sein – mit uns selbst und miteinander.
Ich habe mich im Laufe der Jahre von bestimmten Ritualen entfernt. Nicht aus Ablehnung, nicht aus Bitterkeit, sondern aus innerer Klarheit. Oberflächliche Weihnachtswünsche, plötzliche Verbundenheit auf Zeit, Worte ohne gelebte Beziehung – all das fühlt sich für mich nicht stimmig an. Liebe lässt sich für mich nicht bündeln, nicht terminieren, nicht auf ein paar Tage im Jahr reduzieren.
Diese Haltung ist nicht zufällig entstanden. Ich habe sie gelernt – durch Hunde.
Hunde fordern Authentizität. Sie reagieren nicht auf Worte, sondern auf innere Haltung und Klarheit. Der Hund ist das einzige Wesen, das sofort spürt, wenn Du Dich selbst belügst, ihm kannst Du nichts vormachen im Gegensatz zu Menschen. Hunde spüren Unsicherheit, Unwahrheit, Inkongruenz.
Wer mit ihnen lebt oder arbeitet, lernt zwangsläufig, sich abzugrenzen, präsent zu sein und Verantwortung für die eigene Energie zu übernehmen. Masken funktionieren nicht. Worte ohne innere Wahrheit auch nicht.
Diese Klarheit prägt meine Arbeit als Coach für Hundemenschen – und sie prägt mein Leben. Und ja, sie macht den Weg manchmal einsam. Denn wer aufhört, gesellschaftliche Inszenierungen mitzutragen, steht gerade an Weihnachten oft ein Stück außerhalb.
Und vielleicht ist genau das der Moment, in dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen.
Weihnachten als Liebe auf Zeit
Denn die Frage ist nicht, ob Weihnachten ein schönes Fest ist. Die Frage ist: Wissen wir überhaupt noch, was wir da feiern?
Viele Menschen feiern Weihnachten, ohne den Sinn dahinter zu kennen – oder ohne ihn noch ernst zu nehmen. Man weiß vielleicht, dass es „irgendwas mit der Geburt Jesu“ zu tun hat, doch im gelebten Alltag spielt das kaum eine Rolle.
Was bleibt, sind Rituale.
Gewohnheiten.
Wiederholungen.
Lichterketten.
Geschenke.
Gemeinsames Essen.
Jedes Jahr gleich.
Und doch immer leerer.
Rituale geben Sicherheit. Aber sie ersetzen keine Haltung.
Wenn wir Weihnachten feiern, ohne über Nächstenliebe, Mitgefühl oder Verantwortung füreinander nachzudenken – feiern wir dann Weihnachten oder machen wir einfach mit?
Die Umkehr des ursprünglichen Gedankens
Der Kern der Weihnachtsgeschichte ist radikal.
Ein Gott wird klein.
Arm.
Verletzlich.
Nicht Macht, sondern Hingabe.
Nicht Glanz, sondern Nähe.
Nicht Überfluss, sondern Bescheidenheit.
Und was haben wir daraus gemacht?
Ein Fest des Konsums.
Ein Pflichtprogramm der Harmonie.
Ein Ereignis, das perfekt sein muss – egal, wie es uns wirklich geht.
Man könnte es zuspitzen: Weihnachten ist das Fest der Bescheidenheit – und wir beantworten es mit Überforderung und Überfluss.
Kultur ohne Kern
Viele sagen heute: „Ich bin nicht religiös, aber ich feiere Weihnachten.“Das ist verständlich. Und gleichzeitig entlarvend.
Denn wenn man den Kern entfernt, bleibt eine Hülle.
Diese Hülle füllen wir mit Nostalgie, Gemütlichkeit, Tradition.
All das kann schön sein – aber es trägt nicht, wenn es nicht gelebt wird.
Die ehrliche Frage lautet: Feiern wir Weihnachten – oder spielen wir Weihnachten?
Nachmachen statt Nachdenken
Vielleicht ist Weihnachten längst kein Fest der Liebe mehr, sondern ein gesellschaftlicher Reflex. Man macht mit, weil man dazugehören will. Weil es unangenehm ist, auszusteigen. Weil es einfacher ist, eine Karte zu schreiben, als Beziehung zu pflegen.
Doch Liebe lässt sich nicht bündeln.
Nicht auf ein Datum reduzieren.
Nicht für ein paar Tage im Jahr abrufen.
Wenn Liebe nur an Weihnachten Platz hat – lebt sie dann überhaupt?
Keine Anklage. Eine Einladung.
Dieser Text ist kein Angriff. Ich stelle mich nicht über andere. Ich scheitere selbst – oft. Aber ich versuche, Liebe nicht zu feiern, sondern zu leben.
Unperfekt.
Alltagstauglich.
Ehrlich.
Vielleicht ist genau das der unbequeme Kern von Weihnachten:
Nicht ein Gefühl.
Nicht ein Event.
Sondern eine Entscheidung.
Und vielleicht fühlt sich Weihnachten deshalb für viele Menschen so leer an – weil es uns an etwas erinnert, das wir den Rest des Jahres zu leicht verdrängen.
Liebe ist keine Tradition.
Sie ist eine Praxis.
Und sie beginnt nicht im Dezember.




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